Kyoto genießen: Kaiseki, Tofu und Matcha zwischen alten Tempeln

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Kyoto war jahrhundertelang die kaiserliche Hauptstadt, und das spürt man bis heute auf dem Teller. Die Küche ist zurückhaltend, saisonal und auf das Wesentliche konzentriert, fast wie eine kulinarische Verbeugung vor der Natur.

Was du unbedingt probieren solltest

Das Herzstück der lokalen Esskultur ist Kaiseki, ein mehrgängiges Menü, das wie ein kleines Kunstwerk angerichtet wird und den Rhythmus der Jahreszeiten widerspiegelt. Wer es schlichter mag, probiert Yudofu, sanft in heißer Brühe gegarter Tofu, der besonders in den Tempelvierteln serviert wird. Süß wird es mit Matcha-Spezialitäten wie Eis, Parfait oder Wagashi, den fein geformten Teegebäcken. Auch eingelegtes Gemüse, Tsukemono, gehört zu jeder guten Mahlzeit dazu.

  • Kaiseki: am besten abends und mit Reservierung
  • Yudofu: ideal nach einem Tempelbesuch in Arashiyama
  • Matcha: probiere die unterschiedlichen Intensitätsstufen
  • Wagashi: hübsch verpackt auch ein schönes Mitbringsel

Wo du am besten isst

Im historischen Viertel Gion schlenderst du an Holzhäusern und Teestuben vorbei und triffst vielleicht eine Geiko auf dem Weg zur Arbeit. In Arashiyama verbindest du den berühmten Bambuswald mit einer ruhigen Tofu-Mahlzeit am Fluss. Für die schnelle Verkostung lohnt der überdachte Nishiki-Markt, oft "Kyotos Küche" genannt, mit Ständen voller eingelegtem Gemüse, Süßigkeiten und gegrillter Spezialitäten.

Ein praktischer Tipp: Auf dem Nishiki-Markt darfst du längst nicht überall im Gehen essen, also iss an den dafür vorgesehenen Plätzen direkt am Stand. Die Speisekarten und Schildchen sind häufig nur auf Japanisch beschriftet, und gerade bei Wagashi ist nicht immer klar, was sich darin verbirgt. Ein schnelles Foto der Karte mit anschließender Übersetzung nimmt dir die Unsicherheit und du bestellst genau das Richtige.

Kyoto belohnt jeden, der sich Zeit nimmt, mit kleinen, stillen Genussmomenten.

Beste Reisezeit

Kyoto hat zwei spektakuläre Jahreszeiten, und beide sind aus gutem Grund voll. Die Kirschblüte liegt etwa zwischen Ende März und Anfang April, das Herbstlaub erreicht Mitte bis Ende November seinen Höhepunkt und ist womöglich noch stärker besucht. Mai und Anfang Juni sind die stille Belohnung: grün, mild und mit denselben Gärten bei einem Bruchteil der Dichte. Der Sommer ist berüchtigt schwül, wird aber durch die Flussterrassen am Kamogawa und das Gion Matsuri im Juli gemildert. Der Winter ist kalt und klar, die Tempelanlagen fast leer, und Schnee auf einem Moosgarten entschädigt für die Kälte.

Praktisches vor Ort

Kyoto ist eher eine Bus- als eine Bahnstadt, was viele aus Tokio Kommende überrascht. Zwei U-Bahn-Linien queren das Zentrum, JR und Keihan fahren an den Rändern, aber die Tempel verbindet vor allem ein dichtes Busnetz: hinten einsteigen, vorne mit IC-Karte zahlen. In der Blüten- und Herbstsaison stehen die Busse, deshalb ist Fahrrad oft die schnellste Fortbewegung – die Stadt ist flach und Verleihe gibt es überall. Reserviere Kaiseki und bekannte Adressen früh; manche nehmen Buchungen nur telefonisch auf Japanisch oder über das Hotel. Tempel schließen meist gegen 17 Uhr, im Winter früher, also plane den Tag vorwärts.